Alt trifft Jung …, Bad Wildbad, Einzelwettbewerb Veteranen vom Samstag 18. Juli 2015

 

Als meine Tochter mich auf den Wettkampf angesprochen hat, fand ich die Idee einfach super! Unsere „Alten“ haben so viel Potential und Erfahrung, so viel Spaß an der Arbeit. Leider verlieren sie an Tempo, nicht aber an Erfahrung. Nun muss ich mich als Teammitglied meines Hundes langsam mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass kein Junghund mit seinem unermüdlichen nervigen Gehopse neben mir steht. Natürlich schätzt man umso mehr die Gelassenheit, Ruhe und Coolness, die unsere angehenden Veteranen ausstrahlen. Kurz, man kann sich einfach auf sie verlassen.

Anmeldung hat geklappt, so konnten wir dann am Freitag anreisen, kurzer Check auf das Informationsblatt wann wir melden müssen, Wecker gestellt – nur war das die Meldezeit vom Sonntag und so kamen wir fast zu spät an den Start! Die offizielle Begrüssung haben wir daher verpasst, was mir leid tut und somit möchte mich hier offiziell noch dafür entschuldigen.

Trotz dem, dass wir einiges an Erfahrung mitbringen und seit Jahren starten, ist die Nervosität extrem gestiegen. Wir wurden herzlichst empfangen, gleich mit der Startnummer 1 ausgestattet, ab in den Warteraum und schon standen wir am ersten und zweiten Test bei Helene Leimer. Schön wars, mal statt den grünen Dummies vorbeihuschende Hasen, angeschossene Enten und Fasane  apportieren zu dürfen, die Übungen werden bei Helene immer so toll jagdlich eingepackt, wie Weihnachten im Sommer denke ich manchmal.

So huschten hintereinander 2 Hasen quer über den Weg, die Schützen waren super aufmerksam und bereit, sie trafen das Wild punktgerecht. Ab durch die kniehohen Gräser und Farne ohne allzu grosse Distanzen. So, die erste Mahlzeit war gesichert und eingepackt.

 

Dann ging's weiter zu Detlef. Bei ihm war ein Treiben angesagt, parallel unten und quer zum Hang. Au weia, auch von unsern Veteranen wurde mal wieder Fussarbeit oben auf dem schmalen Weg verlangt, der Richter im Nacken und uns direkt auf den Fersen. Wir geniessen doch schon langsam die Freiheiten der Erfahrung und leben so schon unsern Freigeist aus, da wird das disziplinäre Heelwork gerne etwas vernachlässigt. Tja, Erfahrung zeigt‘s, bei den angeschossenen beiden Blinds wird aufmerksam markiert, keine unnötige Energie verschwendet. Die vierte Aufgabe war eine Markierung, welche ihre Flugbahn zwischen den Bäumen hatte. Es wurden durchwegs sehr adäquate Distanzen für die Veteranen gewählt, da das Gelände bzw. deren Boden auch so seine Tücken hatte.

Dann geht’s den schwarzwäldischen unebenen moosbewachsenen mit den nicht sichtigen drunterliegenden Steinen und morschen Hölzer rauf zum Posten 5 und 6.

 

Auch Moni hat sich zwei sehr spannende  Übungen ausgedacht und die Helfer tief im unwegsamen Gelände auf der andern Hangseite platziert. Doppelmarkierung zwischen den Bäumen und in hohen Bodenbewuchs, ganz schön anstrengend aber gut zu markieren jeweils bei zwei Bäumen. Und da sich auf halbem Weg in der Talsohle ein kleiner Bachlauf, gut verdeckt von hohen Farnen befand, konnte bei der 6. Aufgabe ein verstecktes Blind gefunden werden.

 

Alle Veteranenteams waren ausgenommen fröhlich und guter Dinge, super Gespräche in den Warteräumen, man tauschte Erfahrungen aus.

Und da wir alle so gut in der Zeit lagen -  wir konnten die sechs Aufgaben in knapp einer Stunde durchlaufen -  haben sich die Richter spontan zu einer ausserordentlichen Aufgabe mit Sonderpreis entschieden. Was gibt es schöneres für unsere Retriever, als sich bei warmem Sommerwetter ein erfrischendes Bad im kleinen Weiher zu gönnen. Jeweils drei Teams nebeneinander auf dem erhöhten Kiesweg, vorneweg brombeerverwachsene Böschung. Erster Schuss und Nummer drei konnte die Spannung nicht halten. Unsere Veteranen sind ganz schön flink auf den Beinen wenn ein Dummy im Wasser landet.

 

Es war ein super schöner Tag, das Wetter und somit die Temperaturen war unsern Retrievern gerade recht, bei kleinen Regenschauern wurde man unter dem Blätterdach kaum nass, die Mücken fast eine Spur geschäftiger wie unsere Hunde. Die Helfer waren so fleissig, wie auch die top organisierte Verpflegungsstation, die strategisch in der Mitte lag und zum Verweilen eingeladen hat. Und das Beste, die Wartezeit auf die Rangverkündigung wurde uns kulinarisch verkürzt durch die Grillcrew. Alles einfach super und entspannt.

 

Danke an Nele für die Organisation mit Deinem Team, das Gelände, an die Sponsoren des Siegergeschenkes. Deine Geduld, immer ein offenes Ohr für alle Anliegen zu haben und was nicht selbstverständlich ist, den entspannten Eindruck den Du vermittelt hast, war die Ruhe selbst.

Mein höchster Dank gilt natürlich meinem angehenden Veteran, meiner immer coolen Pipi, die hier ihren ersten ersten Platz mit 119 von 120 Punkten erreicht hat. Sie macht es mir leichter, sie als zukünftigen Veteran anzunehmen, obwohl wir hoffentlich noch einige Male in der O starten werden. Im Nachhinein frage ich mich schon, wieso ich so nervös bin, sie wars noch nie!

 

 

Alt trifft Jung …, Bad Wildbad, Teamwettbewerb Sonntag 19. Juli 2015

 

Sonntag, Teamwettbewerb Alt trifft Jung, klingt entspannend für mich als Veteranenführerin, können und dürfen wir den Jungen was zeigen….?

Ich war außerordentlich gespannt, was die Richter aus dem Gelände machen. Da wir am Vortag im Einzel schon gestartet sind, konnte ich mir im dichten unebenen Wald und der Umgebung, einer Art Talsackgasse mit netten Schrebergärten und drunterliegender kleiner Wiese, gequert von diversen Bächlein kaum eine Vorstellung davon machen.

Meine Tochter Jennifer und ich begrüßten unser zweites Anfängerteam Bärbel mit Naya bei der Anmeldung. Sie kam auf uns zu und hat uns gefunden, weil wir wohl untereinander schweizerdeutsch gesprochen haben. Wir haben uns noch nie gesehen oder gesprochen, spannend so einzusteigen, ohne Stärken noch Schwächen voneinander zu kennen.

 

Die Hitze hatte nachgelassen, der Himmel war bewölkt, leichter Regen kam auch an diesem Tag unsern arbeitenden Retrievern sehr entgegen.

Als Team 12 waren wir in der zweiten Gruppe und so ging's in den schwarzen Wald den Hang hoch. Wir nutzten die längere Wartezeit unter dem Regenblätterdach um uns kennen zu lernen und versuchten die ersten Strategien zu entwickeln. Die Übung 3 bei Moni fand im Scheitel eines Y-Weges statt, wir stellten uns nebeneinander auf. Drei Schüsse, drei hintereinander fallende Markierungen hinter den Bäumen in einer Linie auf einen bewachsenen Weg links. Alle drehen sich um. Rechts oben am Hang fällt eine weitere Markierung, welche dann zuerst geholt werden soll. Vorher aber noch ein Schuss ca. 40 m vor einem modrigen querliegenden Baumstamm, wieder drehen und ein Schuss auf der rechten Weggabel ins Gestrüpp. Wir arbeiten die Markierung, unser erstes A-Team macht das punktgenau prima wie auch anschliessend das zweite A-Team den vorliegenden beschossenen Blind. Für den zweiten beschossenen rechten Blind setzen wir den führigen Veteranen ein. Dann werden die drei hintereinander liegenden Memories (Übung 4) eingeholt, ich bin stolz auf mein junges Team, die Anspannung lässt ein bisschen nach.

Nach der langen Wartezeit meinten wir sehr rasch durch die Übung gelaufen zu sein. So, motiviert ab zur nächsten, auch die werden wir schaffen. Das Wetter zeigt sich wieder von seiner schönen Seite, ein sonniger Tag, ein kühlendes Lüftchen.

Da das Verpflegungs- / Sonderleitungszelt einladend auf dem Weg lag, konnten wir uns alle ausgiebig zwischenverpflegen. Auch ausgiebig, da Helenes Übung 1 und 2 Staupotential im Warteraum hatte. Das kann super gut zum Netzwerken genutzt werden. Schöne, entspannte und aufgestellte Gespräche, Hauptthema wie kann es anders sein, sind alle unsere schön coolen Retriever, die frechen hyperaktiven, goldenen, braunen und schwarzen, auch die mit Blubberhirn.

Nachdem die Ersten von ihrer Erfahrung aus der Übung bei Helene erzählten, wir unsern Warteplatz, mit Aussichtspunkt hinüber über die Schrebergartendächer eingenommen haben und beobachten, stieg die Spannung sehr, wieder wurden erste Strategien entwickelt und gemeinsam im Team besprochen. Wir sahen einzelne Teams, wie sie kämpften, unermüdlich suchten und sich letztendlich mit der Richterin ins Gelände begaben, meist um das letzte und sechste versteckte Wild einzubringen. Fazit für unser Team, jeder hat alles zu markieren.

Dann endlich, wir als drittletztes Team gehen an den Start. Zwei hoch oben, weit hinten am gegenüberliegenden Hang versteckte Werfer (hier mein Dank an den sensationellen Dummywerfer und die unermüdliche Biene, welche alle unsere Dummies x-mal wieder rundum hochtragen musste) bringen die Dummies in hohem Bogen über die Tannen in den leicht schrägen Hang mit sehr hohem Bewuchs. Einfacher wird wohl die Witterungsaufnahme nicht, wenn die Dummies unter grossen Blättern zu liegen kommen, Der Wind kommt mal leicht, mal stärker, aber nicht konstant aus einer Richtung. Wir stehen auf einer gemähten Wiese, die Fallstellen diagonal am gegenüber liegenden Hang, die Distanz dazu schön und ausgewogen für langsame und schnelle Hunde gleichermassen geeignet. Jedes Team hat mindestens ein Wild/Dummy einzuholen, gleich welches und so schickten wir zuerst unsere beiden A’s nacheinander ins Gelände, dann den Veteran. Zweiter Durchgang, das letzte gehört in unserm Team dem Erfahrenen. Schön waren die Rahmenbedingungen, dass man einen müde werdenden Hund ohne Dummyerfolg zurückholen konnte und der nächste geschickt werden durfte, auch ohne Zeitvorgabe. Wichtig, alles muss eingeholt werden, kein Wild darf verlorengehen.

Ganz aus ihrer jagdlichen Erfahrung und ein gern gebrachter Test von Helene, das sich versteckte Wild in einem Graben zu finden. Nicht ganz ohne, diese Aufgabe, liegt doch der Wassergraben vor dem Feld, aus dem die Hunde alle 6 Markierungen herausgearbeitet hatten. Gut zugewachsen, der Bach bildet Strudel und so stellt sich das Veteranenteam die Lage sichernd ans Ende des Feldes neben den Bachlauf. Die beiden A-Teams kommen ein bisschen näher. Ein Schuss, eine Markierung und Freigabe. Unsere flinke A-Shayenne überschiesst, sucht das Gelände dahinter ab, kriegt das Dummy nicht in die Nase. Sie wird zurückgepfiffen und der Veteran holt sich diese Markierung. Die A’s kommen noch etwas näher. Dann zweite Markierung, gleicher Ort, das Dummy dreht sich im Strudel und wird unter einer vorhängenden Grasnarbe gehalten. Die zweite A- Naya lässt sich super im Bereich halten. Als letztes geht dann nochmals unsere Flinke. War mein taktischer Fehler in der Ansage, da der etwas Langsamere hier Vorteil hat und als erster Starter besser gewesen wäre.

 

Nun wird pro Team abgestimmt, ob die letzte und fünfte Wasserarbeit aus Zeitgründen durchgeführt werden soll. Die Mehrheit entscheidet, wir gehen auf den Entenstrich. Nach den ersten Teams öffnet sich, wie kann es anders sein, bei einer Wasserarbeit, auch der Himmel und es beginnt aus Kübeln zu schütten, mit Blitz und Donner. Wir mussten einmal kurz unterbrechen, die Dummies wurden vom Regen unter Wasser gedrückt und wir patschnass.

Auch dies eine sehr schöne spannende Aufgabe, die Schützen haben perfekt alles geschossen was geflogen kam und wir alles eingebracht. Ein grossartiger Tag und die Hunde dürfen nun ihre Jagd im wohlverdienten Schlaf Revue passieren lassen.

Wir überbrücken die Wartezeit bis zur Rangverkündung kurzweilig mit Grill, Salaten und Getränken. Gemütlich auch, da bereits wieder die Sonne scheint und wir draussen sitzen können.

 

Die Spannung steigt, die Rangverkündigung steht an. Die Richter erhalten tolle kulinarische Köstlichkeiten aus der Gegend. Ich schliesse mich nochmals dem Dank an alle Helfer, Organisatoren, startenden Teams und Sponsoren an. Ein eindrücklicher, spannender Tag, mit neu gewonnenen und aufgefrischten Freundschaften ging zu Ende. Die Richter teilten mit, dass auch sie ihren Spaß hatten mit allen Freiheiten, die Übungen speziell auf unsere Anfänger und Veteranen anzupassen, jagdnahe Aufgaben statt Zirkusnummern waren das gelungene Ergebnis. Unser oberstes Ziel soll es immer bleiben, Spaß zu haben, sowie einen weiteren Tag mit unsern liebsten und treuesten Retrievern verbringen zu dürfen. Wir lieben sie wie sie sind, auch wenn es mal nicht so passen täte. Unsere Geduld und Mühe wird schlussendlich immer belohnt.

 

 

Heidrun Keen mit Gleenmhor’s Pipilotta