Jagdliche Anlagensichtung der Retriever (JAS/R)

Am 28. April 2018 fand bei Schönaich in der Region Schönbuch in der Landesgruppe Südwest
eine JAS/R (nach der Ordnung v. 11.3./18.11.2017) statt.
Es war - auch wettermäßig – ein schöner Tag.  
Der erste Dank gilt der umsichtigen Sonderleiterin Sabine Galatowitsch, dann den Reviergebern Jürgen Lutz, Dr. Moritz (Revier Laubach/Schönaich) sowie den Herren Rebmann und Hildebrandt (Revier Roter Berg).
Die Richter waren Doris Hoffmann, Günter Walkemeyer und Andreas Rimkeit (Obmann). Begleitet wurden sie vom Richteranwärter. Schon hier sei ihnen gedankt und gesagt: Sie wurden ihrer nicht einfachen Aufgabe wirklich gerecht. Denn für sie ist es verglichen mit der bisherigen JP/R schwieriger geworden. Sie müssen nun stärker zwischen Konditionierung (durch Ausbildung) und zugrundeliegenden Anlagen trennen und nur letzteres beurteilen. Um diese natürlichen Anlagen deutlicher werden zu lassen, waren die Aufgaben etwas anspruchsvoller angelegt als bei einer JP/R, etwa hinsichtlich der Wahl des Geländes.
Auch inhaltlich hat sich manches geändert: Neben den bisher so genannten Aufgaben Wasserfreude und Merkapport am Wasser, Spurwille und Sicherheit auf der Schleppspur sowie Merken im Feld, die im Wesentlichen gleich blieben, wurde die freie Verlorensuche aufgeteilt in eine solche im Wald und eine im Feld. Neu ist auch, dass alle Aufgaben für alle Hunde im gleichen Prüfungsgebiet sind. Die natürliche Anlage Finderwille etwa zeigt sich ja auch an einer abgearbeiteten Fallstelle, falls das Wild nunmehr örtlich etwas anders ausgelegt wurde; natürlich muss der Richter dies dann entsprechend würdigen und darf nicht allein vom bloßen  Finden des Stücks ausgehen. Bezeichnend für das neue Konzept ist auch, dass dem Führer bei der Schleppe kein Anschuss mehr gezeigt wird und er den Hund auch nicht 20 m angeleint begleiten darf, vielmehr der Hund sich selbständig auf die Spur einsuchen soll. Maßgeblich ist aber vor allem: Früher wurden bei der Jugendprüfung (JP/R) in 9 Fächern - nach Fach gewichtete - Punkte auf der Grundlage von 4 Aufgaben vergeben, die zu einer Gesamtpunktzahl mit einer Rangfolge und einem Sieger führten. Nunmehr werden 11 Anlagen aufgrund von 5 Aufgaben verbal bewertet (von kaum erkennbar bis zu stark ausgeprägt), der Eintrag dessen als Zahl in eine Skala führt aber nicht zu einer Punktebewertung insgesamt. Die Anlagen sind Arbeitseifer (überall außer Markierung), Finderwille (überall), Selbständigkeit (überall außer Markierung), Nasengebrauch (überall), Arbeitsruhe (Wasser und Markierung), körperliche Härte (überall), Führigkeit, Spurwille (nur bei Schleppe), Wasserfreude, Konzentration (nur bei Markierung) und Einschätzen der Entfernung (nur bei Markierung). Nicht mit Prädikat versehen, aber festgestellt wird, ob der Hund das Haar-/Federwild selbständig aufnimmt und in Richtung des Führers zuträgt und ob er dies freudig tut. Ebenso wird registriert, ob und ggf. wie („etwas oder störend“) er Laut gibt. Schließlich ist die Anzahl der Gründe für Durchfallen/Ausschluss von der Prüfung reduziert worden: Natürlich blieb es dabei, dass sich ein Hund der Sichtung nicht entziehen darf, etwa durch beharrliche Arbeitsverweigerung. Nicht bestehen wird auch zukünftig ein Hund der nicht schwimmt, nicht mindestens je ein Stück Haarwild oder Federwild aufnimmt oder sich schussscheu zeigt. In der JAS-Ordnung werden als Nichtbestehensgrund jedoch nicht mehr erwähnt das Knautschen, Rupfen, der Totengräber oder Anschneider, das wiederholte störende Lautgeben und das Nichtfinden von Wild bei Markieren und Freiverlorensuche.
Vor dem so skizzierten Hintergrund der Prüfung, die weniger Wettbewerb ausdrückt als vielmehr beschreibenden Charakter hat, war es eine wirklich gut gelungene Prüfung durch Sichtung.
Alle 5 teilnehmenden Hunde, nämlich 4 gerade einjährige Labrador Retriever (2 Hündinnen und 2 Rüden, alle aus einem Wurf) und eine 10 Monate alte Chesapeake Bay Retriever Hündin zeigten in ihrem Verhalten vielversprechende Anlagen. Der Richterobmann Andreas Rimkeit meinte dann auch bei der Schlussbesprechung, dass es sich mit allen lohne, sie jagdlich auszubilden und einzusetzen.

Gerhard Bangert
mit Joschi von Riedenberg